Am 30.5. war in Greifswald Hauptausschuss, davor gab es eine Kundgebung auf dem Fischmarkt und hernach standen wir vor dem Rathaus und warem beim Hauptausschuss mit einem Redebeitrag. Ein weiterer Redebeitrag kam von Emily.

Liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Mitglieder des
Hauptausschusses!
Wir heißen Marc … , Emily … und Claudia … . Wir sprechen
heute im Namen von Greifswald Zero.
Wir von Greifswald Zero sammeln Unterschriften für das
Bürgerinnenbegehren „Stadt Greifswald klimaneutral bis 2030“. und bitten Sie heute, in Ihrer Beschlussvorlage die Zielmarke zur Klimaneutralität Greifswalds auf 2030 zu korrigieren. Wir fordern, dass unverzüglich  ein  Planungsbüro  beauftragt wird, das innerhalb eines Jahres einen Klimaaktionsplan für das Stadtgebiet  erstellt,  mit  dessen  Umsetzung  Greifswald bis 2030 klimaneutral werden kann. Bei der Vorlage zur Klimaneutralität 2035 bitten wir Sie zu bedenken, dass es erhebliche Kosten & Aufwand einsparen wird, wenn Sie die Forderungen des Bürgerinnenbegehrens bereits
jetzt mit beachten und einbinden.
Wir fordern Klimaneutralität bis 2030, wohl wissend, dass der
aktuelle Teilbericht des Weltklimarates vom April aufzeigt, dass
wir JETZT & SCHNELL HANDELN MÜSSEN, um überhaupt
noch das 1,5Grad -Ziel einhalten zu können.
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen Antonio Guterres
sagte nach der Lektüre des aktuellen Berichts des Weltklimarats,
dass uns noch 30 Monate bleiben. Uns bleiben 30 Monate –
weniger als 3 Jahre, in denen die menschengemachten Treibhaus-
gasemissionen gesenkt werden MÜSSEN, 

Mit dem Erreichen der Kipppunkte würde sich unser Klimasystem
immer weiter erhitzen, bis weite Teile der Erde für uns Menschen
unbewohnbar werden. Milliarden Menschen werden sich dann
auf den Weg in bewohnbare Regionen machen müssen, auch zu
uns nach Europa, auch hier nach Greifswald.
Wir sehen die Notwendigkeit zu verhindern, dass diese
Kipppunkte erreicht werden. Wir müssen unserer Verantwortung
hier in Greifswald gerecht werden! Wir als Greifswalderinnen wollen unseren anständigen und gerechten Beitrag gegen die Klimakrise leisten! Wir finden es großartig, dass der Oberbürgermeister und die Bürgerschaft reagieren und das Ziel der Greifswalder Klimaneutralität vorziehen wollen. Doch 2035 ist zu spät, für uns und besonders für Milliarden von Menschen, die sich bereits heute massiv von der Klimakrise bedroht sehen. Mehr als 1700 Greifswalderinnen haben sich unserem
Bürger*innenbegehren bereits angeschlossen. Wenn wir uns mutig
in Richtung Klimaneutralität bewegen, könnte Greifswald, so wie
Kopenhagen oder Münster, für viele andere Städte und
Kommunen ein Leuchtturm werden. Dieser Wandel bietet ein
enormes, auch wirtschaftliches, Potential. Greifswald könnte
durch den geringeren Energie- und Ressourcenverbrauch Kosten
sparen und unsere gesellschaftlichen Folgekosten des
Klimawandels reduzieren. Vor allem könnte Greifswald durch den
Umbau aber lebenswerter denn je werden.
Deshalb bitten wir, nein fordern wir Sie heute auf, die Zielmarke
auf 2030 zu setzen. Werden Sie Ihrer Verantwortung als
Vertretung aller Greifswalder Menschen gerecht. Es wird Zeit,
dass auch Sie zeigen und verstehen, dass wir HIER und JETZT in
Greifswald handeln müssen. Danke!

Redebeitrag von Emily, Vielen Dank, Emily!

Guten Tag. Mein Name ist Emily und ich studiere Geographie hier in Greifswald.

Weiterhin bin ich bei Fridays for Future und Extinction Rebellion aktiv.

Ich freue mich sehr, hier bei dem Ausschuss dabei zu sein.
Oft höre ich Menschen sagen, die Politik ist wirtschaftsgesteuert. Die Politik hört nicht auf die Wissenschaft.
Damit hier alle wirklich über das gleiche reden – die Klimakrise – möchte ich ganz trocken mit wissenschaftlichen Fakten beginnen.
2026 könnten wir, wenn wir den jetzigen Kurs beibehalten die 1,5°C-Grenze überschritten haben… das ist in 4 Jahren.
Bei der Überschreitung dieser Grenze steigt das Risiko für Extremwetterereignissen massiv an. Stürme, Überschwemmungen, Dürren, Hitzeperioden. Überall auf der Welt.
Manche Gebiete sind schon lange massivst von den Folgen beeinflusst oder gar schon unbewohnbar.
Oft wissen Menschen aus Deutschland nicht um ihr eigene Betroffenheit. Aber spätestens nach der Überschwemmung letztes Jahr in Nordrhein-Westpfahlen, untergehenden Küstengebieten und Halligen und jährlich mehr und mehr Hitzetoten, sollte klar sein, dass die Folgen der Krise schon längst eintreten.
Aber das sollte auf dieser Konferenz hoffentlich allen bewusst sein.
Bis 2100 bei ähnlichen oder gleichen Kurs wird die Erwärmung und Degradierung so weit vorangeschritten sein, dass etwa 1/3 der Landflächen unbewohnbar geworden ist. Bis Ende des Jahrhunderts werden 3,6 Milliarden Klima-Geflüchtete prognostiziert.
3,6 Milliarden Menschen.
Das ist so unvorstellbar. Vorallem wenn wir uns zurückerinnern an 2014, mit 4 Millionen Geflüchteten schon große Probleme in der deutschen Verwaltung hatten. Was wird wohl passieren, wenn 3,6 Milliarden Menschen ihre Heimat verlassen müssen?! Zivilistisches, gesellschaftlichen Zusammenleben wird an vielen Orten zusammenbrechen. Steigende Unzufriedenheit und Verzweiflung werden zu Aufständen, vielleicht sogar Kriegen heranwachsen.
Und das in den kommenden Jahren, wenn nicht sofort und schnell gehandelt wird.
Aus dem neuen IPCC-Bericht geht hervor, dass nur noch diese Dekade bleibt, um Einfluss auf die klimatische Entwicklung zu nehmen, diese noch in eine andere Richtung zu lenken und unseren Handlungsspielraum nicht zu verlieren.
Andere Wissenschaftler*innen gehen von weniger aus… 2 – 3 Jahre.
Aber wer weiß das schon? Irgendwann werden die Kipppunkte im Klimasystem überschritten.
Das Grönländische Eisschild beispielsweise. Wenn das abschmilzt haben wir einen Meeresspiegelanstieg von weiteren 8 Metern.
Oder das Auftauen von Permafrostböden – noch mer Methan. Geil.

Was braucht es noch, um klar zu machen, dass “Klimaneutralität” bis 2035 nicht ausreicht?! Dass wir uns bis zum Hals in einer Krise befinden, die wir jetzt angehen müssen.

Wie viele Gebiete müssen dafür unbewohnbar werden? Wie viele Menschen müssen noch sterben? Wie oft müssen Aktivist*innen sagen, dass wir uns im 6. Artensterben befinden? Wie viele Hitzetote und Ernteausfälle soll es in Deutschland geben?
Wann wollen wir diesen lebensfeindlichen Kurs verlassen? Wann hören wir auf, unsere Lebensgrundlagen zu zerstören?
Die Antwort liegt bei jedem Einezelnen von uns.
Wir sind ein kleines Rad in einem großen System, das sich jahrzehntelang in eine Richtung gedreht hat.
Heute können für ein solches Rad entscheiden, ob wir es zum Anhalten bringen. Vielleicht verlangsamen wir damit andere Rädchen, vielleicht schaffen wir es, einen Anstoß in die andere Richtung zu geben. Aber dafür müssen wir an unseren Einfluss glauben. Wer das nicht tut, hat von vornherein verloren.
Wir brauchen Ideen, wie eine lebensfähige Gesellschaft aussehen kann. Und wie Wirtschaftswissenschaftlerin Cladia Kemfert sagt, brauchen wir Radikalität. Im Denken. Im Handeln, um eine 180°-Wende hinzukriegen…

Wir könnten einfach auf wissenschaftliche Handlungsenpfehlungen hören…
Aber vor allem müssen wir anfangen für das Leben zu kämpfen, denn zu viele tun das schon.

Danke.