Fanny: Mein Name ist Fanny Müller. Ich bin 32 Jahre alt und studiere Medizin an der Universität Greifswald. Seit einigen Jahren ist das Thema Klimaschutz in meinem Leben sehr präsent. Ich achte darauf, nachhaltig zu konsumieren, zu essen und zu leben. Aber ich glaube, dass es mehr als individuelles Bemühen braucht, um das 1,5°-Ziel, dem sich Deutschland 2015 im Pariser Abkommen verpflichtet hat, zu erreichen. Wir brauchen wirksame Klimapolitik in unseren Landkreisen, Kommunen und Städten. Ich habe das Gefühl, dass die Verantwortung oft an uns als Einzelpersonen durchgereicht wird, ohne dass auch auf Bundes- oder Länderebene entsprechende Entscheidungen getroffen werden. Daher habe ich mich letztes Jahr entschlossen, mich bei Greifswald Zero für einen Klimaentscheid für unsere Stadt zu engagieren, damit Greifswald seiner klimapolitischen Verantwortung gerecht wird.

Anne: Ich bin 38 Jahre alt und habe drei Kinder. Momentan bin ich Hausfrau und versuche aktiv das Klimageschehen in Greifswald voran zu bringen. 2018 habe ich den VHS-Kurs „klimafit“ besucht – im März wird der Kurs wieder angeboten – und daraus ist eine kleine Gruppe entstanden, die schon unterschiedlich in Greifswald tätig war. Doch reicht mir diese Arbeit nicht und ich möchte mit Greifswald Zero und dem Bürger*innenbegehren aktiv in der Stadt etwas verändern und mich somit für eine bessere Zukunft für meine Kinder einsetzten.

Uwe: Hallo, ich bin 56 Jahre alt und arbeite in Greifswald als Ingenieur. Klimaschutz ist wohl für uns alle ein Thema, spätestens seit die Umweltkatastrophen auch bei uns angekommen sind. Besonders motiviert mich, dass ich drei Töchter habe und für diese wünsche ich mir ein Leben, dass nicht durch Klimakatastrophen bestimmt wird und ich möchte ihnen später in die Augen schauen können, wenn sie mich fragen, „Was hast du eigentlich getan?“ Außerdem ist mir bei COVID19 bewusst geworden, was tatsächlich möglich ist, wenn eine Gefahr nicht nur erkannt, sondern uns allen auch bewusst wird. Beim Klima habe ich das Gefühl, wir Menschen verhalten uns wie der Frosch im Glas. Wenn man diesen in heißes Wasser setzt, springt er sofort wieder heraus. Es ist ihm schlichtweg zu heiß. So ungefähr versuchen es zumindest die meisten bei diesem Virus und damit auch die meisten Regierungen, weil wir die LKWs mit den Toten gesehen haben. Bei der Klimakatastrophe habe ich den Eindruck, wir verhalten uns wie der Frosch, den man in angenehm kühles Wasser setzt und das Wasser allmählich erwärmt. Er sitzt und sitzt und irgendwann ist es so heiß, dass er stirbt. Ich möchte nicht wie der Frosch sitzen bleiben. Also habe ich überlegt, was ich tun kann. German Zero gefällt mir, weil es sehr konkret ist und Greifswald Zero noch mal, weil es lokal konkret ist, mit einem klaren Ziel, Greifswald bis 2030 klimaneutral zu machen. Und wo sollte das gehen, wenn nicht in Greifswald?

Tiemo: Ich bin 57 Jahre alt, habe drei Kinder und lebe seit 25 Jahren in Greifswald. Beruflich beschäftige ich mich seither als Wissenschaftler an der Universität mit den Folgen des Landnutzungs- und Klimawandels für Mensch und Natur sowie mit Nachhaltiger Entwicklung. Durch meine Arbeit habe ich viele internationale Kontakte geknüpft und unterschiedliche Regionen der Welt kennen gelernt. Ich habe verstanden, wie gravierend und rasant unser Raubbau die Lebensgrundlagen der Menschheit bedroht und dass ich dem nicht tatenlos zusehen möchte. Darum engagiere ich mich als Mitglied im gemeinnützigen Verein Bürgerlobby Klimaschutz e.V. für den Klimaentscheid von Greifswald Zero. Ich bin überzeugt, dass Greifswald im Klimaschutz eine Vorreiterrolle zukommt, denn hier gibt es besonders viele engagierte Menschen, viel Know-how und eine Offenheit, Herausforderungen anzugehen. Wenn wir erreichen, dass sich nach der Universität auch die Stadt Greifswald zur Klimaneutralität bis 2030 bekennt, dann kann das ein „game changer“ für den Klimaschutz in M-V werden!